Chronik "Alte Molkerei in Liepe"

1924 hat der Bauer Otto Volkwardt aus Liepe ein Stück seines Ackers an Richard Walther verkauft.

  • dieser erbaute darauf eine Molkerei
  • ein Hauptgebäude, ein angebautes Nebengebäude und auf dem Hof ein kleines Stallgebäude
  • das Hauptgebäude war damals nur 1-geschossig und etwas größer, als das angebaute Nebengebäude
  • beide Gebäude hatten ein Flachdach aus Pappe
  • im Hauptgebäude war die Molkerei und im angebauten Nebengebäude
  • wohnte die Familie Richard Walter

ca. 1927 übergab Richard Walther die Verwaltung der Molkerei an seinen Bruder Hugo Walther.

  • Richard Walther eröffnete 1927 eine Molkerei in Usedom, Anklamer Str.
  • Hugo Walther wirtschaftete die Molkerei in Liepe in Grund und Boden
  • die Molkerei wurde geschlossen
  • nur die Wohnräume waren zwischenzeitlich an einen Woderich vermietet

Während oder kurz nach der Erbauung der Molkerei sind an den zwei 2 Seiten der hinteren Grundstücksgrenze Maulbeerbäume gepflanzt worden. Diese dienten tatsächlich eine ganze Zeitlang der Seidenraupenzucht. Sie wurde noch bis tief in den 2. Weltkrieg hinein betrieben. Bis im Frühjahr 2003 standen noch ein ganz geringer Teil der Maulbeerbäume als äußerste Eckbegrenzung. Da diese krank waren, haben wir Sie bis auf einen, der an anderer Stelle steht, fällen müssen.

25.06.1936
Der Gesamtschulverband in Liepe, Kreis Usedom - Wollin, erhielt die Genehmigung vom Amt Swinemünde zur Aufnahme eines Darlehns von 6.000 RM zum Schulhausumbau. Da in Liepe bis 1937 der Schulunterricht der Klassen 1-4 und 5-6 im kircheigenen Schulgebäude stattfand, wurde. Wegen der Trennung von Staat und Kirche wurde in der Nazizeit die ehemalige Molkerei zur Schule umgebaut.
Das Hauptgebäude wurde aufgestockt und daneben ein Flurbereich mit Eingang angebaut. Die umgebaute Schule hatte 2 Klassenräume und 2 Lehrerwohnungen. Zum Grundstück gehörten: ein großer Schulhof, ein Wirtschaftshof und ein großer Lehrergarten.
1937 wurde in dem neuen Schulgebäude der Unterricht aufgenommen. Der Lehrer Willi Waldmann wurde von Zecherin nach Liepe versetzt und mit der Leitung der Schule beauftragt. Er selbst wohnte über den Schulräumen im OG des Hauptgebäudes und ein weiterer Lehrer/in wohnten im Anbau.
Zum Einzugsgebiet der Schule Liepe gehörten die Dörfer Liepe, Grüssow und Reestow. Im 2. Weltkrieg gingen zwischenzeitlich auch die Förderschüler aus Swinemünde hier zur Schule. Man hatte den Schulbetrieb aus der Stadt Swinemünde ausgelagert. Zum Kriegsende war der Schulbetrieb ersteinmal eingestellt.

01.09.1945
Der Unterricht sollte wieder aufgenommen werden, musste aber wegen
einer Massenerkrankung auf den 01.10.1945 verschoben werden. Zunächst unterrichteten die bereits vor Kriegsende an der Schule tätig gewesenen Lehrer/innen.

Nach Kriegsende nahm die Schülerzahl gewaltig zu, da der Flüchtlingsstrom aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten viele Schüler mit ihren Familien in die umliegenden Orte verschlagen hatte. Man unterrichtete nun zusätzlich auch nachmittags. Neulehrer wurden ausgebildet, und als Lehrer eingestellt.

1959 begann man mit einer Teilzentralisierung der Dorfschulen. Liepe blieb vorerst verschont. 1974 wurde die Zentralisierung abgeschlossen, alle Schüler wurden ab sofort nur noch in Usedom unterrichtet. Der Lieper Schulstandort entfiel somit auch.

07.10.1976
Es war nach ca. 2 ½ jähriger Bauzeit in den ehem. Schulräumen eine Gemeindeschwesternstation entstanden.

  • die Bauzeit dauerte solange, da man diese Umbauarbeiten nur mit einer Feierabendbrigade durchführen durfte
  • diese Feierabendbrigade bestand aus 2 Mann aus den umliegenden Dörfern
  • die Gemeindeschwester bewohnte ab diesen Zeitraum die Wohnung im Nebengebäude

Die Gemeindeschwesternstation Liepe war eine von 6 die dem Landambulatorium Usedom unterstellt war. Hier arbeiteten qualifizierte Krankenschwestern mit engem Kontakt zur Bevölkerung. Sie waren versiert und legitimiert zu mancherlei medizinischen Handlungen wie z.B. Medikamentenausgabe, Injektionen aller Art, auch intravenös. Man kann sagen, das der verlängerte Arm der Ärzte waren. Einmal wöchentlich fanden in der Schwesternstation Außensprechstunden der Ärzte des Landambulatoriums Usedom statt. Zahnarzt, Allgemein-Mediziner, Physiotherapie und einmal im Monat Mütterberatung (vergleichbar mit den heutigen Untersuchungen). Nach dem Ende der DDR wurde die Schwesternstation geschlossen.

1991 wurde das Objekt von der Gemeine Rankwitz an einen Herrn Andreas Krüger verkauft. Dieser eröffnete in den ehem. Räumen der Gemeindeschwesterstation nach leichten Umbauarbeiten im September 1991 ein Ladengeschäft. Dieses wurde von ihm selbst bis November 1992 betrieben, danach vermietete er ihn von Dezember 1992 bis Oktober 1994.
Der Eigentümer hatte dieses Objekt sehr hoch beliehen, Am 23.06.1999 stand die Zwangsversteigerung an. Diese konnte der damalige Eigentümer abwenden. Wir meldeten unser Interesse gegenüber der Bank trotzdem an.

29.01.2002
Wir stellten nach Vorhandlungen den Antrag auf Erwerb dieses Objektes und am 19.08.2002 konnten wir den Kaufvertrag abschließen. Im September des gleichen Jahres begannen wir mit der Entkernung des gesamten Hauptgebäudes und anschließend mit den Bauarbeiten. Nach seiner grundlegender Sanierung bezogen wir am 29.11.2003 unsere Wohnung. Bis zum April 2004 stellten wir die restlichen Wohnungen im Hauptkomplex zur Vermietung fertig und schlossen die Gartengestaltung im wesentlichen parallel dazu ab.

Anfang 2007 entschlossen wir uns die gesamte Anlage in eine Ferienwohnanlage
umzuwandeln. Die Wohnungen im Hauptkomplex wurden nach Entmietung in hochwertige Ferienwohnungen umgewandelt. Im Juni begannen wir mit der grundlegenden Sanierung des Nebengebäudes und stellten dieses bis Ende Mai 2008 in der heutigen Form fertig. Die ersten Feriengäste konnten wir am 04.07.2008 begrüßen.

Wir hoffen, das wir ihnen einige ungewöhnliche historische Einblicke in unsere "Alte Molkerei" vermitteln konnten, ihr Interesse auch an dieser Stelle geweckt haben um sie vielleicht demnächst als unsere Gäste begrüßen zu dürfen.